Angels, more Angels

Engel, mehr Engel

by Etel Adnan

Open-Access License: CC BY-SA
Keywords: Angel, Photography
English
Deutsch

As children we were told that we have a guardian angel just behind our right shoulder and a bad angel behind the left one. This used to puzzle me. I used to turn my head to the right, to try to see the good angel, but he would never appear. On the left side, I wouldn’t dare look, afraid to see the negative one. When I was around four years old, on a Palm Sunday, I happened to wander into a nearby church, and the priest fixed wings on my back, which dressed me up as an angel, and I led the neighborhood procession in the streets, and my mother was trying to find me.

When at last she found me, she ran toward me and I told her “do not touch me, I am an angel,” and she cried. Ever since, angels have visited me on and off: their nature changed over the years, they haunted me, or disappeared for a while. When I started painting, they reappeared through Rilke’s Elegies, then through Paul Klee’s angels.

I had one of Klee’s angels look over my right shoulder for years. Sometimes that angel would ask me to help him figure out what he was made of, who he was. I was aware of that.

Recently, I was meditating on Einar Schleef’s creative genius, on his work for the stage, and angels started visiting me in the form of sounds, rain, mountains, or oceans. I came back to Klee. He had been their catalyst. He had searched for their multiple definitions. There was an avalanche of them, all of them prophetic and terrified. Klee pursued a battle with them, like Delacroix had done in his own ways on the walls of a chapel inside the Saint-Sulpice church in Paris. I am inclined to think that we are mutable, and that by moments human beings become angels, and then return to their habitual selves.1

Als Kinder wurde uns gesagt, dass wir einen Schutzengel direkt hinter unserer rechten Schulter haben und einen bösen Engel hinter der linken. Das hat mich immer verwirrt. Ich drehte meinen Kopf nach rechts und versuchte, den guten Engel zu sehen, aber er zeigte sich nie. Auf die linke Seite wagte ich nicht zu blicken, aus Angst, den bösen zu sehen. Als ich etwa vier Jahre alt war, spazierte ich zufällig in eine naheliegende Kirche, es war Palmsonntag, und der Priester befestigte Flügel auf meinem Rücken, die aus mir einen Engel machen sollten. Ich ging der Nachbarschaftsprozession durch die Straßen voran, und meine Mutter versuchte, mich zu finden.

Als sie mich endlich entdeckt hatte, lief sie auf mich zu, und ich sagte: „Fass mich nicht an, ich bin ein Engel“, und sie weinte. Seitdem haben mich ab und zu Engel besucht: Ihr Wesen veränderte sich im Laufe der Jahre, sie suchten mich heim, dann verschwanden sie für eine Weile. Als ich zu malen begann, erschienen sie wieder, zunächst durch Rilkes Elegien, dann durch die Engel von Paul Klee.

Einer von Klees Engeln schaute jahrelang über meine rechte Schulter. Manchmal bat er mich, ihm zu helfen, er wollte herausfinden, woraus er bestand, wer er war. Ich wusste ein wenig davon.

Vor kurzem dachte ich über Einar Schleefs kreativen Geist nach, über seine Arbeit für das Theater, und Engel begannen, mich in Form von Klängen, von Regen, Bergen und Ozeanen aufzusuchen. Ich kehrte zu Klee zurück. Er war ihr Auslöser gewesen. Er hatte nach ihren vielfältigen Definitionen gesucht. Es gab eine ganze Schar dieser Engel, allesamt prophetisch und erschrocken. Klee hat eine Schlacht mit ihnen ausgefochten, wie Delacroix es auf seine Weise an den Wänden einer Kapelle in der Kirche Saint-Sulpice in Paris getan hat. Ich denke, dass wir veränderlich sind, und dass menschliche Wesen in manchen Momenten zu Engeln werden, und dann zu ihrem gewohnten Selbst zurückkehren.1

Did you enjoy the read?
continue reading: “Mutual Alienness”: On Paul Klee and Walter Benjamin by Annie Bourneuf